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20170515

#152


Das Lächeln des Rückens
denn das Leben ist schön.





Er rennt zu ihr und versucht sie zu erschrecken. Seine dreckigen öligen mehligen Fingernägel fassen ihre Mundwinkel unsanft an und heben diese grob schnell in eine absurde Richtung, die inkompatibel ist - mit ihr, der Situation und dem Willen, der in ihr schläft, schnarcht oder eher einst schlafend erstickte. ,,Und jetzt schaue bitte einfach immer so. Ginge das ? '' Sie erstarrt wie vermutlich warme Wachskirchkerzen nach einem Knetvorgang erstarren würden. Wie Menschen, welche genau wissen, dass sie nun fotografiert werden, bevor der Auslöser bedient wurde. Sie behält alles bei. Jede Formung, mit der er ihr Gesicht mit einer Selbstverständlichkeit verzehrte, die fremde Muskeln durchdringt. 

Mit seiner Selbstverständlichkeit.


,,Sieht gleich viel besser aus. Nicht vergessen, immer schön lächeln, denn das Leben ist schön.''
Seine Zangen verschwinden von ihr und sein Öl tropft zu Boden. Er kehrt ihr galant den Rücken. Stolz auf seine spontane Art und die Erkenntnis: menschliche Gesichtszüge an Fäden ziehen zu können und geht. Sein Gehen wirkt wie ein innerliches Hüpfen. Schadenfrohe innerliche Sprünge eines Zangenträgers.
Schon während der Drehung verlieren die einst grob geformten Züge des Lächelns ihre Form, verlieren an Struktur und Ehrlichkeit, die nie war auch vor der Drehung nicht. Sie verblassen in Lichtgeschwindigkeit. Sie klammern sich in diesem versteckten Rückenmoment an eine wahrhafte Sphäre, an ein Versteck und verblassen ganz unsanft blass. Ein Ansatz bleibt jedoch immer übrig. Als Sicherheitsfaden. Falls sich der Rücken wieder spontan zu ihr wenden sollte, bleibt stets ein lächelnder Restmuskel mit schlaffer Anspannung übrig. Nur für den Fall.

der zerbrochene Krug

ist eigentlich noch nicht ganz zerbrochen, denn er ist noch nie zu Boden gefallen. Stattdessen schwebt er permanent mit der Gewissheit des jeden augenblicklichen Fallens über dem anziehenden Grund. Noch ist aber der Krug von der Luft verschlungen. Hat keine Risse oder Schäden vom potenziellen Aufprall davontragen m
üssen. Ein italienischer Krug voller Ornamente. Unversehrt sind auch die Ornamente. Ornamente, die gezeichnet wurden von Fremdkörpern, die eben gerne Ornamente zeichnen, um nicht selbst zu Boden zu fallen.

Weingeschichten von Anna Evgenevna Zhukovets




























Ges
stern befand sich Evgenevna auf einem juedischen Fest mit vielen orientalischen Leckereien. Ich wurde als Fotografin eingeladen und auf dem Weg zu diesem Traditionsfest  habe ich unverfaelschte Fotografien geknipst, die mir echt gefehlt haben. UNVERFAELSCHTE FOTOGRAFIEN. Ist ja nicht so, dass ich die vergangene Woche wortwoeglich jeden Tag und Nacht auf unzaehligen Veranstaltungen Fotos geschossen habe und von 55-Jaehrigen *Schimpfwort*-lingen ''dragué'' wurde (bis diese irgendwann mein wahres Alter erfuhren und an ihren Kaviarhaeppchen zu ersticken drohten - es war eine noble Mischung aus husten, ersticken und lachen) und ich lachte einfach herzlich mit ihnen zusammen. Absurd. Das war alles ermuedend, aber auch ein durchaus realistischer Einblick in ein artifizielles Milieu des 21. Jahrhunderts. Man verliert die wahre Kunst rasch aus den Augen. Wahrhafte Kunst ist nach meiner Vorstellung, eine unverfaelschte Dokumentation oder die Freiheit diese reale Welt nach eigenen Abstraktionsvorstellungen zu verklaeren oder zu verzerren oder zu verarbeiten. Eine freie und frei machende abstrahierte Dokumentation. Sodass man sich am Ende grundsaetzlich immer befreit fuehlt. Champagner-Flaschen und Champagner-Koepfe in Elite-Reastaurants/ Bars der champs-élysées zu beknipsen, als waere man ein laufender Maschinen-Knoepfebediener gehoert eben nicht dazu - diese Taetigkeit ist rein technisch. Man kann trotzdem versuchen, Kunst in solche Bilder zu hauchen; durch interessante Perspektiven oder der Dokumentation aus der Fremde, aber ich denke; dass die Champagner-Koepfe einfach nur ein primitives Instagram-Story-Bild am Ende haben wollen. 
*natuerlich kann ich die Indoor-Fotografie nicht so krass generalisieren, aber das war eben eine meiner ersten Wahrnemungen.



Evgenevna

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