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20171013

#155



starkfamiliärvertraglichemotionalfestchemisch











kovalent




ein wenig zu meinem Leben : Ich habe nie damit gerechnet nach Frankreich auszuwandern und in Paris zu leben. Selbst vor 1 Monat wusste ich das noch nicht mit gänzlicher Gewissheit. Nun bin ich hier umgeben von Kühen, weißen Pferden, Schafen, einem wundervollen gigantischen Waldpark mit kleinen Wasserfällen und selbst ein Esel grüßt mich allmorgendlich (manchmal grüße ich auch zurück). B I E N V E N U E  CHEZ LES Ch'tis - KLAPPE DIE Z W E I T E & action. 

Passt das zu Paris ?

Genau - nicht ganz. Gottseidank, wohne ich als überzeugter Waldmoosmensch in einem Pariser Vorort in meiner nun 2,5. eigenen Wohnung, die ich mir selbst täglich erarbeite. Ich liebe sie. Mein Ausblick ist eine farbenfrohe Herbstwaldkulisse, mein Interieur erinnert an einen Expositionsmuseumsort und viele vergangene Epochen , nur nicht an das 21. Jahrhundert. Bei mir trällert in Dauerschleife Edith Piaf ihre Seelenstücke und mein Kühlschrank ist manchmal leer, aber Käse und Wein gibt's ausnahmslos immer. Eine tägliche Schokoladentafel kann ich mir hier leider noch nicht leisten.
In einer innigen Beziehung mit dem Monsieur fromage Saint-félicien (fromage du Dauphiné) und fromage Chaource - Lincet, dem Champagner pinot noir aus der Stadt Reims, mousse au chocolat noir intense von bonne maman und einem schön warmen Pain au chocolat aus der morgendlichen boulangerie aus dem die Schokolade tröpfelt. Du

Ein französischer Feinschmecker bin ich trotzdem noch nicht.
Wohl eher ein trotziger Breitmaulfrosch mit fuckin deutschem Akzent.

Ton petit accent vient d' mademoiselle?  = Woher kommt dein kleiner Akzent ? 
DIESE PHRASE KANN ICH NICHT MEHR HÖREN.

Ich studiere Kulturwissenschaften- Schwerpunkt: Philosophie und Literatur/ Medien und Geschichte, bin hier in Paris parallel täglich Lehrerin, Fotografin / Künstlerin und realisiere meine spontanen Projekte. Eines dieser Projekte ist mein aktuelles Praktikum, von dem ihr Liebmenschen gleich (ein wenig Geduld) mehr erfährt. Bin auf vielen Hochzeiten, meine letzte war vor 3 Wochen in Reims (die CHAMPAGNERSTADT schlechthin), was sehr lustig war:

 Eine marokkanische Hochzeit = no alcohol. 

Pfandfrage: Was macht die Annuschka, während ihres eigentlichen Fotografenjobs in Reims ?

Richtig, findet einen Champagnerdegustationsladen mit etlichen Kronleuchtern und lässt es sich heimlich für die nächsten 40 Minuten so richtisch jut gehen. Man war das krasser Champagner ! PINOT NOIR - bonsoir cheri. Entschuldigung liebes Brautpaar habe da den Weg zurück nicht mehr so richtisch jefunden.

Meine nächste Hochzeit wird in einem Schloss sein. Irgendwo in der französischen Pampa. Es sei denn ich entscheide mich spontan auf ein universitäres Seminar nach Berlin zu fahren, Kant wartet schon.


Ein Alkoholiker bin ich trotzdem nicht.

Höchstens ein trotziger Breitmaulfrosch mit einem Fetisch für französische Parfums und Vernissages.

Paris gibt einem stets das Gefühl, dass alles prinzipiell im Leben möglich ist und zugleich, wo man sich derzeitig befindet, nämlich im Unterkeller des Unterkellers des Hades Unterkellers. Hyperbolische Würzungen mag ich gerne. Und um vom Unterwelts-Unterkeller in den oberen Unterkeller aufzusteigen und irgendwann mal einen Lichtansatz zu erblicken (Licht = Struktur, exakter Plan, purpose of life), müssen noch ein paar squads getätigt werden und nicht nur squads. Oft werde ich von Menschen - falls das Gespräch einen intimen Grad erreicht - gefragt, nach dem WARUM.

Warum Paris ?
Ich kann diesen Menschen nie eine zufrieden stellende Antwort geben, da sie meinen, dass diese Argumente auf eine jede Metropole zutreffen würden. Und ich denke mir, dass der einzige Mensch, den ich im Augenblick überzeugen und glücklich machen muss, das Wesen ist, welches diese Worte abtippt und salopp formt. 
Keiner muss an euren Lebensplan glauben. 
verfasst von Anna E. Zhukovets

↑↑↑ Marrokanische Hochzeit mit meiner neuen Kamera Canon Eos 5 d Mark III, 24-105mm 1:4 L

DER CHAMPAGNER-DEGUSTATIONSLADEN ↓↓↓





Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort


R M Rilke

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.

Sie sprechen alles so deutlich aus:

Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,

und hier ist Beginn und das Ende ist dort.



Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,

sie wissen alles, was wird und war;

kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;

ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.



Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.

Die Dinge singen hör ich so gern.

Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.

Ihr bringt mir alle die Dinge um.

Bindung



Ich habe seit Mitte Oktober 2017 mein freiwilliges Praktikum bei einem der berühmtesten Kunstkritiker und zugleich Regisseure Frankreichs angefangen. Monsieur Obalk. Er arbeitet unter Anderem für die Fernsehsendung Arte und kreiert Dokumentationsfilme, in denen Gemälde großer Meister analysiert werden. Gefilmt in Rom, Madrid, natürlich Paris, bald vielleicht Sankt Petersburg. Auch ist er Autor für das Magazin ELLE und verfasst regelmäßig in der Kunstrubrik Artikel. In der nächsten Zeit werde ich zahlreiche professionelle Programme (in Höchstgeschwindigkeit) kennen lernen müssen . Hector arbeitet immer nachts mit seinem Assistenten, was meinen Biorhythmus komplett verschieben wird, aber ich bin ja genauso ein aktiver Nachtmondmulch wie die restlichen Cliché-Künstler. Die vergangenen drei Nächte habe ich irgendwie überstanden. Die Mutti dieser Person hat ebenfalls Karriere gemacht. Sie ist eine begnadete Linguistin in Frankreich, mit der ich vorgestern Abendbrot essen durfte. 
In solchen Momenten fragt man sich dann schon, womit gerade meine Seiendheit es verdient hat, diesen Menschen zu begegnen. In solchen Momenten fühlt man sich auch dezent unfähig und geistig winzig winzig staubhaft. Und manchmal ist das die beste Einstellung: Ich habe noch nichts großartiges im Leben erreicht. Diesen Satz flüstere ich mir immer zu, um nicht zu vergessen, sich weiterzuentwickeln. 
Ich glaube kein Mensch kann sich vorstellen, wie viele Missgeschicke mir am Tag widerfahren. A propos habe beim Kochen gerade mein Bäuchlein angebrannt, den Kellerschlüssel demoliert, mein Handydisplay geschrottet, meine gesamten Fotos, Filme und Texte beim Auffrischen des Computers gelöscht (das nur, was innerhalb einer Woche geschah)

Nach Darwins-Theorie wäre ich schon längst nicht mehr im Evolutionsverfahren integriert, biologisches Verdikt: L E B E N S U N F Ä H I G 
aber Humor hilft bekanntlich toujours, lieber Charles 





Ж ж Ж 
posted by Анна Евгеньевна Жуковец

PS. Ich werde hier demnächst  eine separate Seite einrichten mit inspirierenden Kurzfilmen,Lyrik, Gemälden, Kurzprosa, Vernissages frisch aus Paris und der Welt.

eine anfängliche Kulturportion erstmal hier:

Künstler ARONOFSKY & McLAREN
Wer mich länger kennt, kennt auch meine Vorliebe für Filme, die sich mit der Apokalypse befassen. Ich finde Endzeitstimmung faszinierend, auch in der deutschen Lyrik (Jakob van Hoddis, Heym und Trakl) und der Gemäldekunst (Horse and Train by Alex Colville, 1954). ,,Melancholia'' von Lars von Trier ist ein solcher Film - mein Lieblingsfilm - und nun war ich gestern wirklich nach Jahren endlich im Kino der Champs-Élysées, im Kinosaal befanden sich 3 Menschen, was echt einmalig war. 
Mensch, der diese Buchstabenfetzen gerade liest, genau du, bitte schaue dir den Film: ,,mother!'' von Darren Aronofsky an. Ich gehe nie ins Kino, da mich populäre Kunst SELTENST begeistert oder berührt. Dieser Film ist aber ein Kunstwerk: das Szenario, die extraordinären Kamerawinkel, die fließende Montagetechnik, das Licht, der Schauplatz, die Besetzung, die Symbolik, die Abstraktion und der bekannteste Rohstoff, der wohl für die gesamte Menschheit zugänglich ist: die BIBEL und die damit verbundene anthropologische Entwicklung. Hach da wären wieder bei dem Chales Darwin, hallo mein Freund: heute gibt's aber viel Promo für deine ousia.

Man stelle sich einen Poeten vor, welcher durch jeden geschrieben Satz, Objekte / Subjekte / Situationen kreiert. In einem Haus, welches täglich von der ''Mutter'' paradiesisch gestaltet wird - der Muttererde. Diese Frau hat eine intensive Verbindung zu dem Obdach, zu den Räumen, den Flächen, den Wänden. Wie als sei das Haus ihr eigener pulsierender Körper und sie selbst die Seele/ der Geist, welcher für den Körper ,,das Haus'' Entscheidungen trifft, ihn verändert und beschützt.... 

Die Menschheitsgeschichte wird nach dem Rohstoff der Bibel miniaturhaft, aber damit auch transparent in abstrakter und extremer Zeitraffung versinnbildlicht. Aronofsky erweckt Figuren zum Leben, die vom ersten Sündenfall bis Völlerei, Todschlag, Neid, Wolllust und Zorn eigentlich alle Todsünden der Menschheit implizieren.
Die Entstehung und Spaltung der Weltreligionen, eskalierender unüberschaubarer Fanatismus, Kriege, Besessenheit, Idole...
Auffallend ist die Gotteskritik in diesem Film. Dem Zuschauer wird ein Bild eines Gottes geboten, der permanent Fehler begeht  in seiner eigenen Lemniskate verfangen und dennoch stets mit der Möglichkeit des endlosen Neuanfangs gewappnet. Ohne moralische Schranken, ohne Strafen und immer in diesem Haus. Als lebe er ein ostinatives Déjà-vu, Déjà vécu und Déjà visitéWird er womöglich davon zum irren Realitätsverzerrer? Vom ostinativen Déjà-vu ? Man fragt sich ständig, ob er naiv, nicht adäquat und übertrieben anthrophil ist ? Oder eher doch unmoralisch, geltungs- und aufmerksamkeitssüchtig ? Süchtig nach Gemeinschaft ? Warum genügt ihm die Zweisamkeit mit der ''Muttererde'' nicht ? Süchtig nach der Kreation ?  Für mich hätte der Film mit seinem zynischen Lächeln, als er den versteinerten ,,Diamanten des Neuanfangs'' (was zugleich das Herz der Muttererde ist) in den Händen hält, enden sollen. , da man begreift, dass der Neuanfang prinzipiell immer wieder möglich ist.

20170830

#154




Berlin 

nie ihr Fall.
Eine zu eckige, leicht verbitterte Stadt
die auf den Fremden so wirkt
wie gerade beschrieben.
Eckig-verbittert.
Der
Plötzensee
Müggelsee - Treptow-Köppenick
die Berliner Mauer
Allianzhütte
Prenzlauer Berg
Cocktail Bar
gehören denen,
die sie einst besuchten.
Ihnen.
Uns.

und so sitzen wir auf Rädern, Waldböden oder Hängesesseln in einer datumslosen Augustnacht, bis uns danach ist, auf einem verbliebenen Stückchen der Berliner Mauer die Gesäßbäckchen aufzuwärmen. Die Spree, die väterliche Allianz-Hütte und unsere zu müden Cocktailkörper eingerahmt in unserem noch müderen Blick.
Feuchte historische Betonmauer und erfrierende Jugendkörper schweigen angenehm warm ins eigentlich stets kalt-eckige, glasklar-graue Berlin, weil es so sein muss. darf. kann. sollte.

Schwimmen nachts im Plötzensee und Müggelsee und baignoires. Alleine und verboten. Eltern haften nicht für ihre Kinder. Heut mal nicht. Es tröpfelt unbemerkt bescheiden warm, so dass die Seeoberfläche schwingt. Eigentlich schwingt alles mit. Wir natürlich am meisten. Eine lauwarme Nacht mit Nebelschwaden die kurz davor sind, erdverbundene Oberflächen zu vereinnahmen. Es wird gerutscht, gelacht und mit der Feuchte getanzt, sich umarmt und gleich nochmal. Manchmal versucht, dass der eine ertrinkt und umgekehrt. Und wieder von vorne.
Kleine Kinder würden Finger zeigend lachen und meinen wie kindisch unreif die doch seien. Und wir dürften gar nicht eingeschnappt sein, denn damit wäre eine mögliche Wahrheit ausgesprochen worden.

Es gießt so stark, dass wir beschließen, unsere Fahrräder wegzuschmeißen und Schuhe ebenso und jedes Tröpfchen anzutanzen, zu hüpfen, durch Pfützen zu kreisen und Dinge zu betreten, die man lieber nicht so schnell wieder betreten wollen würde.

Berlin 
im Sommer
erträglicher, als je gedacht.
dank
dir.





















































Fotografien aus dem Baskenland, Südfrankreich, Polen, Schwerin und natürlich Paris.

ausgeatmet